Da bleibt kein Auge trocken

Das HLF20.

Donnerstagabend – Feuerwehrabend. Nicht nur zu Einsätzen kommen unsere Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr zusammen, sondern auch an den vierzehntäglichen Dienstabenden. Das ist Pflicht. Denn immer wieder müssen bereits erlernte Handgriffe gefestigt und wiederholt, neue dazugelernt werden. Rund um Einsätze mit dem neuen Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF20) ging es an einem solchen Abend Mitte April.

Nebelige Angelegenheit.

Der Einsatz des Nebellöschsystems und der Rettungssäge steht dieses Mal auf dem Plan. Neben einer eigens aufgebauten Wohnungstür postieren sich Daniel Kruse & Martin Lange und weisen die versammelte Mannschaft ein. „Ein Nebellöschsystem ist vielseitig einsetzbar“, erklärt Kruse. So kann man mit diesem System, das man in Fachkreisen auch Fognail nennt, unter anderem Räume abkühlen, ohne eine Tür direkt zu öffnen, beispielsweise bei Wohnungsbränden in voller Ausdehnung. Eine effektivere Anwendung findet man jedoch bei Dachstuhlbränden. Mit diesem Löschsystem kann man Entstehungsbrände im Dachstuhl schnell löschen und somit eine katastrophale Ausbreitung verhindern, indem man ein kleines Loch in das Dach schlägt und dort die Löschlanze durchsteckt. Durch den feinen Wassernebel, kann man Entstehungsbrände schnell in den Griff bekommen und somit eine Ausbreitung zu einem Dachstuhlbrand in voller Ausdehnung verhindern.  Ein anschließender Innenangriff, um eine abschließende Kontrolle zu machen, muss trotzdem durchgeführt werden. Man spart zum einen sehr viel Wasser und vermeidet somit auch einen erheblichen Wasserschaden und am Ende hat man eine wesentlich kürzere Einsatzzeit. Auch kann man mit der richtigen Lanze PKW-Brände schnell und mit sehr wenig Wasser löschen. Wichtig ist das Training mit diesem System, damit man es sicher und effektiv einsetzen kann. „Probiert es selber aus und macht euch ein Bild davon“, gibt Kruse den Befehl. Mit einem Metalldorn und einem einzigen Schlag gegen die Tür schafft sich das erste Zweier-Team seinen „Spion“: In Windeseile ist die Lanze durchgesteckt und das Wasser aufgedreht, das in weitwinkeligem Sprühstrahl von der anderen Seite der Tür in feinen Tröpfchen herausschießt.

Mit der Twin-Saw im Einsatz.

Gänzlich trocken bleibt es dagegen an der zweiten Station und der Rettungssäge, deren Einsatz Bergens Wehrführer André Muswieck erklärt: „Damit kann man einfach alles schneiden. Bis auf Stein und spanende Metalle, wie etwa Eisenbahnschienen“, führt Muswieck in den Gebrauch dieses Werkzeuges ein, das an einen übergroßen Trennschleifer erinnert. Doch statt einer Schmirgelscheibe rotieren hier zwei gegenläufige Metallsägeblätter in der Maschine. „Wir haben hier den großen Vorteil, dass der Funkenflug minimiert wird und der ständige Austausch von abgenutzten Trennscheiben entfällt“, so der Hauptbrandmeister weiter. Natürlich steht auch hier die Sicherheit an erster Stelle und so ist neben Gesichts- und Hörschutz auch spezielle Schnittschutzkleidung beim Einsatz Pflicht. Nach der Einweisung geht es auch schon los und die Säge läuft. An einem ausrangierten Tankbehälter probiert sich Kameradin Annett Muswieck aus. Kraftvoll sägt sie sich durch das Material, bis das angestrebte Ziel erreicht ist.

Aufbau des Wasserwerfers.

Zum Schluss des Dienstabends steigen schließlich noch einige Kameradinnen und Kameraden dem im Januar übergebenen HLF20 buchstäblich aufs Dach und bauen den mächtigen Wasserwerfer auf. „Wasser marsch“ ertönt das Kommando, Maschinist Otto Chimm betätigt die Pumpe und schon schießt ein starker Wasserstrahl in Richtung des Hubschrauberlandeplatzes der Feuerwehrtechnischen Zentrale. Weil es an diesem Tag allerdings sehr windig ist, bleibt dabei kein Auge trocken.

Wieder was gesehen, wieder was gelernt. So kann man diese spannenden Stunden mitten in unserem Bergen auf Rügen zusammenfassen. Donnerstagabend – Feuerwehrabend.

FM M. Müller